Sjaella – Himmelsstimmen in Gerresheim

Unterkuft in Wemeldinge

Es war bereits ihr zweites Konzert an diesem Ort. Die glasklaren Klänge der jungen, preisgekrönten Frauen sorgten auch dieses Mal dafür, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Andächtige Stille erfüllte den großen Kirchraum, kein Zwischenapplaus - es sei denn, jemand hielt es vor Begeisterung gar nicht mehr aus. Eingeladene syrische Flüchtlinge vermuteten zunächst, sie seien in einem Gottesdienst gelandet, bis sie aufgeklärt wurden, dass die Künstlerinnen keinen Applaus nach den einzelnen Stücken wünschten. Erstmals machte farbiges Licht den Hörgenuss auch zu einem optischen Erlebnis.

War das Programm zunächst eher durch geistliche Lieder geprägt, schwelgten die Zuhörer im zweiten Teil mit dem „Girl from Ipanema“ durch die neueste, jazzig angehauchte CD des Ensembles. Manch einer lauschte dem zweiten Teil des Konzertes beschwingt durch ein Glas Wein, das die Bürgerstiftung Gerricus mit Hilfe der Chorschüler von St. Margareta im spätsommerlichen Brunnengarten anbot. Standing Ovations entlockten den jungen Damen am Ende noch eine Zugabe.

Kirchenmusikdirektor Klaus Wallrath, der üblicherweise in der Basilika St. Margareta musiziert, erklärte anschließend: „Wie beim ersten Mal, war ich beeindruckt von der Authentizität der fünf Sängerinnen. Sie sind sehr bei sich, sehr homogen, im Klangbild und im Auftritt. Effekthascherei ist ihnen fremd. Ihr Programm ruht in sich. Trotz der individuellen Entwicklung, die jede von ihnen genommen hat, zeigen sie sich bewundernswert geschlossen.“

Unter den A-capella-Gruppen in Deutschland gibt es nicht viele Frauen. Sjaella gehört hier fraglos zu den besten. Ein halbes Jahr Auszeit hatten sich die Anfang Zwanzigjährigen gegönnt, und waren in Neuseeland, Italien, Israel, Norwegen und Südamerika unterwegs gewesen. Mit frischen Eindrücken und einem eigens für sie komponierten Stück, das sie erst vor drei Wochen erhalten hatten, kamen sie nach Düsseldorf und gaben hier eines der ersten Konzerte nach der kreativen Pause. Mitte Oktober werden sie in der Berliner Philharmonie auftreten. Und im nächsten Jahr hoffentlich auch nochmal in Düsseldorf-Gerresheim. Dazu sucht die Bürgerstiftung Gerricus jetzt schon neue Anstifter, die bei der Organisation helfen (Tel. 0211-289330).

Fotos: Sibylle Pietrek

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