45. Woche 2015

Allerheiligen

In den vergangenen Tagen waren die ersten Nebel zu erleben. Weitsicht ist da nicht möglich. Im Nebel zu wandern, ist anstrengend, nicht nur wegen der hohen Luftfeuchtigkeit. Ohne Weit-sicht kann man sich nur schwer orientieren. Das Fest Allerheiligen lässt uns weit sehen, nämlich das Ziel, auf das wir zugehen. Das weckt Zuversicht und Freude, sodass wir unsere Lebenswanderung nicht abbrechen.

Martin Luther bringt es in ein Bild: „An Christus glauben ist die Kunst, dass wir aus dem Haus in die Sonne gehen. Die Sonne lässt er scheinen, aber aus dem Haus gehen, das musst du schon selber tun!“

Das Evangelium zum Fest Allerheiligen ist eines der bekanntesten Texte aus dem Neuen Testament: die Seligpreisungen. Jesu preist Menschen selig, deren Leben gar nicht selig ist, die offensichtlich viel Not erleiden, arm sind, Krieg erleben müssen und den Gerechtigkeit verwehrt wird, mit denen unbarmherzig umgegangen wird. Jesus preist nicht deren Lebensumstände selig. Das sind sie fürwahr nicht. Er preist sie selig, weil sie ihre Zuversicht, ihre Hoffnung, ihre „Weitsicht“ durch den Glauben an Gott nicht verloren haben. Er preist sie selig, weil trotz aller und in all diesen Schwierigkeiten sich aufrichten lassen durch den Ausblick auf das, was durch Gott noch kommt. Ihr Leben ist nicht immer glücklich und dennoch ist es ein geglücktes Leben. Es gibt Menschen,die haben ein schweres Schicksal und doch sind sie dankbar. Wir wollen sie trösten, uns fehlen die Worte dazu, sie trösten vielmehr uns. 

Selig sind diejenigen, die den Glauben an Gottes Sonne noch nicht verloren haben, die das Haus verlassen und sich aufrichten, durchatmen und sich erfreuen an dem Licht Gottes.

Ich wünsche Ihnen eine schönes und gutes Allerheiligenfest.

Unterschrift Sülzenfuss
Karl-Heinz Sülzenfuß, Pfarrer i. R.

Bild: Robert Boecker, Presseamt des Erzbistums Köln, Marzellanstraße 32, 50668 Köln.

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