36. Woche 2017

Liebe Gemeindemitglieder,

die Schule hat begonnen und somit für viele auch der ganz normale Alltag. Ich erinnere mich noch an die Aufsätze zum Schulstart nach den Ferien über das schönste / interessanteste Ferienerlebnis. Hierzu fiel mir früher nur wenig ein, heute umso mehr.

So habe ich auf der Rückfahrt von meinem diesjährigen Ostseeurlaub in der Stadt der sieben Türme, in Lübeck, Station gemacht. Wenn man nur wenige Stunden Zeit hat, kann man diese wunderschöne mittelalterliche Hansestadt nur punktuell besichtigen. Natürlich gehört das Rathaus mit St. Marien, der Mutterkirche der norddeutschen Backsteingotik, dazu. Den Abschluss bildeten die Besichtigung des Lübecker Doms und dann der Besuch der Herz-Jesu-Kirche. Diese ist eine kath. Kirche, in deren Krypta mit Ausstellung der vier Märtyrer Lübecks gedacht und sie verehrt werden. Es handelt sich um vier Geistliche, die im III. Reich eine Widerstandsgruppe bildeten.

Bemerkenswerter Weise ist es die einzige echte konfessionsübergreifende Widerstandsgruppe in Deutschland (3 kath. Priester und 1 ev. Pastor: Johannes Prassek, Eduard Müller, Hermann Lange und Pastor Karl Friedrich Stellbrink). Sie hatten einen guten ökumenischen Austausch und waren sich darüber einig, dass man sich diesem Unrechtsregime entgegenstellen müsse. So ist jeder von ihnen einen persönlichen Weg des Widerstandes gegangen (mit scharfe Kritik am Regime - Charisma für Jugendliche (Bewahrung vor der HJ) - den Soldaten und der Bevölkerung haben sie das Unchristliche des Angriffskrieges aufgezeigt und das Bombardement von Lübeck als Strafe Gottes gedeutet).

Alle vier haben sich gegenseitig Mut gemacht, dem eigenen Gewissen zu folgen. Eine wirkliche Gnade, dass sie am gleichen Ort zur selben Zeit sich so unterstützten. Diese Haltung haben sie gegenüber dem Regime, als auch gegenüber der eigenen Obrigkeit gelebt. Alle vier wurden verhaftet und wegen Hochverrat und Volksverhetzung verurteilt und am 10. Nov. 1943 hingerichtet. Sie sind in allem bewusst und standhaft ihrem Gewissen gefolgt und dem Glauben treu geblieben. Die Seligsprechung erfolgte 2010 und schloss den ev. Pastor Stellbrink mit großer Hochachtung ein.

Tief beeindruckt von diesem Glaubenszeugnis bin ich nun aus meinem Urlaub in meinen neuen Seelsorgebereich als Pfarrvikar angekommen und wünsche uns ein segensreiches pastorales Jahr mit guten Begegnungen, in denen wir uns unterstützen, stärken und im Glauben Mut machen.

Ihr

Unterschrift Federhen
Pfarrer Joachim Federhen

Bild übernommen von seiner bisherigen Gemeinde im Wuppertaler Westen, Günter Monschau

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