20. Woche 2016

Liebe Schwestern und Brüder,

Als alle an einem Ort waren, kam der Heilige Geist über die Jünger.

Alle an einem Ort – trotz unterschiedlicher Berufe und Wohnorte, wie kam es dazu?

Das große jüdische Fest Schawuot war ein großes Pilgerfest. Es erinnert an das Ende der Aussaat fünfzig Tage nach dem Fest der ungesäuerten Brote, dem     Paschafest, und an die Offenbarung Gottes durch die Übergabe der 10 Gebote auf dem Sinai. Kein Wunder, dass viele nach Jerusalem pilgerten, sicher auch die Jünger. Sie aber versammelten sich nicht nur als jüdische Pilger, sondern auch als An-hänger Jesu, die damals noch nicht Christen hießen. Alle Apostel waren an einem Ort – alle im Gebet und im Gedenken an Jesus Christus, der starb und auferstanden ist. Sie waren also nicht zusammen als Freunde, sondern sie einigte der Glaube und das Gebet an den Gott, den Jesus Christus geoffenbart hat durch sein Leben, durch seine Worte. In diesem Moment erlebten sie eine innere Bewegung, die sie alle erfasste. Eine Begeisterung machte sich breit, die sie hinaustrug, die andere neugierig machte. 

Auch wir sind heute alle an einem Ort, in der Feier der Pfingstmesse. Auch wir versammeln uns im Gebet zu Gott und Jesus Christus. Er ist der Grund unserer Versammlung. Und es tut gut andere zu treffen, die mit uns den Glauben teilen. Und auch uns ist der Geist gegeben, der von Gott kommt. Schon in der Taufe wurden wir mit Chrisam gesalbt und dabei wurde gebetet: Der allmächtige Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus hat dir aus dem Wasser und dem heiligen Geist neues Leben geschenkt. Aufgenommenen in das Volk Gottes wirst du nun mit Chrisam gesalbt, damit du für immer ein Glied Christi bleibst.

In der Firmung wurde diese Salbung mit Chrisam wiederholt mit dem Gebet: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“

Dieser Geist Gottes hat die Kirche immer wieder auf den Weg Christi zurück gebracht, den sie im Laufe ihrer Geschichte zu verlieren drohte. Oft waren es einzelne geisterfüllte Persönlichkeiten, oft aber auch der geistvolle Aufbruch vieler in der Kirche. Romano Guardini schrieb 1922 in einem Aufsatz über die Kirche sehr hoffnungsvoll: „Die Kirche erwacht in den Seelen.“ Wir müssen ergänzen: der Gläubigen. Guardini sieht eine lebendige Kirche, die durch die Gläubigen getragen wird und nicht nur durch die Bischöfe und Priester, und das schon 1922!

Gott sei Dank ist dies auch in unserer Pfarrei ein Stück Wirklichkeit. Und unser Erzbischof will diese Bewegung, dieses Erwachen verstärken und uns Gläubige dazu ermutigen, Kirche zu sein, Zeuge für den Glauben, geisterfüllter und dankbarer Christ.

Ihnen allen ein schönes und gesegnetes Pfingstfest

Ihr

Unterschrift Sülzenfuss
Karl-Heinz Sülzenfuß, Pfarrer i. R.

Bild: Creative Commons License Bernhard Riedl, bilder.erzbistum-koeln.de

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