16./17. Woche 2019

Evangelium Palmsonntag, Lk 19, 28-40

Nach dieser Rede zog Jesus voran und ging nach Jerusalem hinauf. Und es geschah: Er kam in die Nähe von Betfage und Betanien, an den Berg, der Ölberg heißt, da schickte er zwei seiner Jünger aus und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt! Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet es los und bringt es her!

Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann antwortet: Der Herr braucht es.

Die Ausgesandten machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte.  Als sie das Fohlen losbanden, sagten die Leute, denen es gehörte: Warum bindet ihr das Fohlen los? Sie antworteten: Weil der Herr es braucht. Dann führten sie es zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Fohlen und halfen Jesus hinauf. Während er dahinritt, breiteten die Jünger ihre Kleider auf dem Weg aus.

Als er sich schon dem Abhang des Ölbergs näherte, begann die Schar der Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Machttaten, die sie gesehen hatten.

Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Ehre in der Höhe!

Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, weise deine Jünger zurecht! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.

Gedanken zur Vertiefung

Palmsonntag ohne Palmen und Hosianna! Im Bericht des Lukas ist das uns so vertraute Setting ein anderes. Auch ist es keine große Volksmenge, die den Einzug Jesu in seine Stadt Jerusalem begleitet, sondern nur seine Jünger breiten ihre Kleider aus und skandieren laute Lobeshymnen auf Gottes Machterweise. Alles ein wenig abgespeckter, vielleicht der historischen Begebenheit ähnlicher.

Der Einzug Jesu ist das Gegenteil von Triumphalismus: Er reitet nicht hoch zu Ross, sondern wählt für seine Zwecke ein Eselfohlen. Ob das für viel Aufmerksamkeit im geschäftigen Treiben der Großstadt Jerusalem gesorgt haben wird? Wohl kaum. Schlicht, aber ergreifend ist sein Weg. Kein Massen-Hurra; kein Hosianna – wie Karneval ohne Helau!

Es könnten Assoziationen geweckt werden an die Anfänge Jesu: absolut verborgen und unspektakulär geboren in einem Stall. Sowohl auf den Feldern von Betlehem als auch hier in Jerusalem werden der Friede und die Ehre Gottes gepriesen, hier von den Jüngern, dort von den Engeln.

Im geprängelosen Einzug manifestiert sich die wahre Größe dieses Königs, der da kommt im Namen des Herrn, im Namen Gottes.

Welche Chance hat Jesus, bei uns, in unserer Gemeinde St. Margareta einzuziehen? Worauf stößt er bei uns? Auf jubelnde Jüngerinnen und Jünger, die bereit sind, „ihr letztes Hemd“ zu geben? Auf begeisterte Anhänger, die sein Lob verkünden?

Vor uns liegen die Karwoche mit dem Triduum sacrum und das heilige Osterfest. Diese für uns Christen wichtigsten Tage im Kirchenjahr versammeln uns als Gemeinde wieder neu um Christus - in seiner tiefsten Erniedrigung und in seiner höchsten Erhöhung. Indem wir die großen und schönen Kar-liturgien feiern, folgen wir seinen Spuren - nicht als Zaungäste am Wegesrand, sondern als Mit-Beteiligte, Mit-Betroffene, Mit-Engagierte. Die Dramatik von Leiden, Tod und Leben wird keinen kalt lassen, der dabei ist.

Wie schön wäre es, wenn wir uns als Gemeinde von den vor uns liegenden Tagen prägen und erneuern lassen in unserem Denken und Handeln, in unserer Aufmerksamkeit für den Herrn und  füreinander und in unserem Umgang miteinander.

Mit dieser Ausgabe der Wocheninfo beenden wir vorerst die Aktion, das Sonntagsevangelium voranzustellen und einige Gedanken aus der im Pastoralteam erfolgten Betrachtung des Wortes Gottes anzufügen. Sehr erfreulich, dass sich in der Fastenzeit mehrere kleine Gruppen zum Schriftgespräch und Austausch gefunden haben. Fortsetzung folgt!

Im Namen aller Mitglieder des Seelsorgeteams von St. Margareta wünsche ich Ihnen und euch eine reich gesegnete Karwoche und ein frohes und glaubensstärkendes Osterfest!

Ihr

Unterschrift Boss
Oliver Boss, Pfarrer

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