14. Woche 2017

Jesus in Bethanien

Bethanien am östlichen Abhang des Ölbergs war dem Herrn ein vertrauter Ort, denn dort wohnten Freunde von ihm. Und wer hat nicht gerne Menschen, die einem vorbehaltlos wohlgesonnen sind? Bei denen kann man ausruhen, sich aussprechen, ohne falsche, ängstliche Vorsicht walten lassen zu müssen. Bei Freunden kann ich offen und ehrlich reden. Bethanien ist sozusagen die letzte menschliche „Tankstelle“, bevor Jesus nach Jerusalem kommt. Jerusalem war damals und ist bis heute ein Hexenkessel, der bedrohlich werden kann. Das ist für manchen in der Kirche leider bis heute nicht anders.

Das Haus der Geschwister Marta, Maria und Lazarus aber bot Jesus wirkliche Vertrautheit und Geborgenheit, und deswegen erhofften die beiden Schwestern, die sonst nicht immer einer Meinung waren, Hilfe von ihrem Freund Jesus in der schweren Krankheit ihres Bruders. Jesus gibt diesem Drängen nicht nach und sagt provokativ: Diese Krankheit dient der Verherrlichung Gottes. (Joh 11, 4)

Die Fragen, ja Vorwürfe von Marta an Jesus sind nur zu verständlich. Hatte sie nicht ein Anrecht auf einen besonderen Freundschaftsdienst? Denken und fühlen nicht auch wir, dass der Heiland uns „gefälligst“ helfen sollte, wenn wir in Not und traurig sind? Immerhin gehören wir zu ihm, glauben ihm, lieben ihn, und da ist der Erweis seines Beistands und seiner Güte doch wahrlich nicht zu viel verlangt, oder? Wie oft kommt es uns in den Sinn: Jesus, wenn es Dich gibt, dann steh uns jetzt bei und lass uns nicht im Stich! Ein bisschen Marta ist auch in uns: Nimm mir die Krankheit, die mich quält und mir Angst macht! Lass mich die schwierige Prüfung überstehen, die vor mir drohend schwebt! (Auch wenn ich sonst ganz gut ohne Dich auskomme,) Jetzt brauche ich Dich dringend, Jesus!

Auch wir kennen den Glauben an die Auferstehung, aber ist er wirklich fest in uns verankert? Jesus führt Marta und uns zu einem weiteren, tieferen Verständnis seiner Liebe und Gegenwart, wenn er offenbart: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ (Joh 11, 25f.)

Die anschließende Frage Jesu lautet damals an Marta wie heute an Dich und mich: „Glaubst Du das?“

Gottes Segen für die verbleibende Bußzeit bis Ostern wünscht Ihnen Ihr

Unterschrift Pater Robert
Pater Robert ofm

Bild: Auferweckung des Lazarus, Mosaik in der Kirche in Bethanien, © P. Robert, 2006

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