16. + 17. Woche 2026

Heimat

„Woher kommen Sie?“ Diese Frage habe ich schon oft in meinem Leben gehört. Menschen wollen wissen, wo ich geboren und aufgewachsen bin und was mein Heimatland ist. Meine Antwort lautet: „Ich komme aus Südindien, aus dem Bundesstaat Kerala. Das ist meine „Heimat.“ „Ist Deutschland nun Ihre neue Heimat geworden?“ Dann fange ich an zu überlegen: Was bedeutet für mich „Heimat“?

Das Wort „Heimat“ weckt in mir unterschiedliche Vorstellungen. Heimat kann ein bestimmter, liebge-wonnener Ort sein. Heimat bedeutet auch, im Kreise der Familie zu sein und in vertrauter Sprache zu reden. Starke heimatliche Gefühle weckt in mir die Erinnerung an meine Kindheit, wo ich aufgewachsen bin. Heimat kann Volk, Land oder Kulturkreis sein und ganz besonders Familie, in die man hineingeboren wurde und wo man die ersten prägenden Erfahrungen gemacht hat.

Der Begriff „Heimat“ ist also tief im menschlichen Empfinden verwurzelt. Er steht auch für Geborgenheit, Zugehörigkeit und Identität. Gleiche Sprache, Gemeinschaften und Traditionen prägen den Menschen und geben ihm Halt. Heimat ist auch der Ort, an dem oft der Glaube erstmals erfahren wird - durch Eltern und durch Gemeinden mit allen religiösen Bräuchen. Deshalb sollten wir auch bedenken, dass die irdische Heimat nicht die letzte Heimat eines Christenmenschen ist. Der Apostel Paulus schreibt: „Unsere Heimat ist im Himmel“ (Philipper 3,20). Die eigentliche und endgültige Heimat ist eben bei Gott.

Zusammengefasst ist „Heimat“ ein vielschichtiger Begriff. Er umfasst die konkrete Lebenswelt des Menschen, weist aber auch über sie hinaus auf die endgültige Heimat bei Gott. Und meine persönliche Einstellung: Ich bin freiwillig nach Deutschland gekommen, um zu studieren und zu arbeiten, und bin damit hier „heimisch“ geworden, mit deutscher Staatsbürgerschaft. Ich könnte aber jederzeit zurück nach Kerala, denn dort steht mein Elternhaus.


Ihr

Unterschrift Manickathan
Antony Manickathan, Pfarrer

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